Gazakonflikt - Politik im Nahen Osten

Sonntag, 26. Februar 2017

Intifada

Intifada (arabisch انتفاضة‎, DMG intifāḍa) – auch Intefadah oder Intifadah - ist der Name für zwei palästinensische Aufstände gegen Israel. Der Begriff kommt aus dem arabischen intafada / انتفض‎ / intifaḍa /„sich erheben, loswerden, abschütteln“.[1] Die hebräische Schreibweise ist אינתיפאדה.

1. Erste Intifada

Die Erste Intifada begann als so genannter „Krieg der Steine“ 1987. Seit 1991 ging die Gewalt zurück; mit der Unterschrift des Vertrags von Oslo im August 1993 und der Schaffung der Palästinensischen Autonomiebehörde endete sie.

Die erste Intifada war charakterisiert von zivilem Ungehorsam der Palästinenser, dem Terroranschläge vorausgingen und der mit Terror und Gewalt eskalierte[2]. Fernsehbilder hielten Straßenschlachten jugendlicher Palästinenser mit israelischen Armeeangehörigen fest, die meist mit Steinen oder anderen Gegenständen beworfen wurden. Die Soldaten reagierten darauf häufig mit Gegengewalt. Bis zum Osloabkommen 1993 wurden 1.162 Palästinenser (davon 241 Kinder, einige waren aktiv gewalttätig) von israelischen Kräften getötet. 160 Israelis (davon 5 Kinder) wurden von palästinensischen Kräften getötet.[3] Zusätzlich wurden etwa 1.000 Palästinenser durch palästinensische Kräfte getötet, im Zuge von Lynchjustiz, Blutrache oder Ehrenmorden. Von diesen waren nur 40-50% in Kontakt mit israelischen Kräften gewesen.[4]

2. Zweite Intifada

Die zweite Intifada, die von den Palästinensern als Al-Aqsa-Intifada bezeichnet wird, begann im September 2000.

Der angekündigte Besuch des damaligen Oppositionsführers Ariel Scharon auf dem auch für Moslems heiligen Tempelberg wurde von Palästinensern zum Anlass genommen, einen geplanten gewaltsamen Aufstand zu beginnen. Der Besuch Scharons wurde von den Palästinensern als Provokation bezeichnet, da Scharon von ihnen für das Massaker in den Flüchtlingslagern Sabra und Schatila (1982) verantwortlich gemacht wird. Die Auseinandersetzungen zwischen der israelischen Armee und militanten Palästinensern griffen auf das gesamte Gebiet Israels und der Palästinensischen Autonomiebehörde über.

Mit dem Abschluss eines Waffenstillstands zwischen Mahmud Abbas und Ariel Scharon im ägyptischen Scharm El-Scheich im Februar 2005 gilt die Al-Aqsa-Intifada offiziell als beendet.

Nach israelischen Zählungen gab es während der zweiten Intifada 20.406 Anschläge, darunter 138 Selbstmordanschläge und 13.730 Schussüberfälle, sowie 460 Angriffe mit Qassam-Raketen. Nach Angaben der Zeitung Jedi’ot Acharonot wurden 1.036 Israelis getötet (715 Zivilisten) und 7.054 verletzt. Die Palästinenser hatten 3.592 (palästinensische Quellen: 3.336) Tote (985 Zivilisten) zu beklagen. Israel bezeichnet 959 von ihnen als Terroristen – 208 Palästinenser wurden gezielt getötet. Über 600 palästinensische Tote waren Mitglieder der Sicherheitsdienste der Autonomiebehörde (der Geheimdienste, oder der Polizei), die oft auch in Terror involviert sein sollen. Gemäß einer Statistik des Anti-Terror-Instituts (beim Herzlia Interdisciplinary Center) starben 126 palästinensische Frauen und mehr als doppelt so viele israelische Frauen (285). 365 Palästinenser wurden von ihren eigenen Landsleuten getötet, in der Regel im Rahmen von Lynchjustiz, Blutrache und Ehrenmorden an tatsächlichen oder vermeintlichen Kollaborateuren. Auf der israelischen Seite kamen 22 Menschen durch eigenes Feuer ums Leben.

3. Aufruf zur Dritten Intifada


Angesichts der israelischen Militäroffensive Operation Gegossenes Blei gegen den Gazastreifen, mit einhergehenden israelischen Luftangriffen vom 27. Dezember 2008, hat der Hamas-Führer Chalid Maschal die Palästinenser zu einer dritten Intifada gegen Israel aufgerufen.[5] Am 29. Dezember hat Hassan Nasrallah, der Generalsekretär der islamistischen libanesischen Partei und Organisation Hisbollah, im Schulterschluss mit dem Hamas-Aufruf ebenfalls zu einer neuen Intifada gegen Israel aufgerufen.[6] Irans Parlamentspräsident Ali Laridschani erklärte am selben Tag in einer von Tumulten unterbrochenen Sitzung der iranischen Volksvertretung, dass es Israel bald mit einer dritten palästinensischen Intifada zu tun bekommen werde. Teheran werde diese dann "nach allen Kräften unterstützen", fügte er hinzu.[7]

Quellen und Einzelnachweise

  1. Glossar: "Intifada". Innenministerium Nordrhein-Westfalen. Abgerufen am 24. Februar 2008.
  2. Gudrun Eussner: Der Palästinensische Islamische Djihad (PIJ): Eine Terrororganisation zur Zerstörung des Staates Israel. trend onlinezeitung. Abgerufen am 24. Februar 2008 „Seinen Terror gegen Israel beginnt der PIJ in den 80er Jahren, lange vor der ersten Intifada. Fatih Shiqaqi und sein Freund und späterer Nachfolger Ramadan Shalah brüsten sich, 1987 durch eine Serie von Terroranschlägen Aufstände als Auftakt der Ersten Intifada (1987–1993) initiiert zu haben – ein Arzt und ein Wirtschaftswissenschaftler im Dienste des Terrors.“.
  3. Statistics: First Intifada. B'Tselem. Abgerufen am 24. Februar 2008.
  4. One Year Al-Aqsa Intifada: Fact Sheets And Figures – Collaborators. Palestinian Human Rights Monitoring Group, Oktober 2001. Abgerufen am 24. Februar 2008.
  5. Hamas-Chef ruft zur dritten Intifada auf. In: Tagesschau (ARD) vom 27. Dezember 2008
  6. Auch Hizbollah-Chef ruft zu Intifada auf. In: tagesanzeiger.ch vom 29. Dezember 2008
  7. Israels Angriffe auf Gaza. Die gesamte arabische Welt ist in Aufruhr. In: ZEIT ONLINE vom 29. Dezember 2008

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