Gazakonflikt - Politik im Nahen Osten

Mittwoch, 25. Mai 2016

Berliner Morgenpost: Ein Eklat, der von einer politischen Wende kündet

Freitag, den 30. Januar 2009 um 18:51 Uhr
Berlin (ots) - 2-31J-Kommentar Welch ein Eklat während einer Konferenz, zu der sich Staats- und Regierungschefs mit den Eliten aus Wirtschaft und Wissenschaft treffen, um in offenem Gedankenaustausch zur Linderung der Probleme dieser Welt beizutragen!

Beim Weltwirtschaftsforum in Davos sind Israels Staatspräsident Schimon Peres und der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan während einer Podiumsdiskussion derart aneinandergeraten, dass der Türke wutentbrannt den Saal verließ. Anlass der Kontroverse war die Kriegführung Israels im jüngsten Gaza- Krieg. Erst hatte Erdogan den Militäreinsatz Israels massiv kritisiert, daraufhin Peres diesen leidenschaftlich verteidigt ("Was würden Sie tun, wenn jede Nacht zehn oder hundert Raketen auf Sie niedergehen?"). Als Erdogan darauf noch einmal reagieren wollte, entzog ihm der Moderator das Wort. Mit der Begründung, die Zeit sei abgelaufen und das Abendessen warte. Der in seiner Ehre verletzte Erdogan ward daraufhin in Davos nicht mehr gesehen. Bei etwas mehr Fingerspitzengefühl des Gesprächsleiters hätte sich der Eklat wohl vermeiden lassen. Zumal auch die Türkei alles andere als zimperlich ist um Umgang mit ihren Feinden. Mit den Kurden etwa, die mehr Autonomie bis hin zur Unabhängigkeit fordern. Der Einsatz von Panzern und Kampfflugzeugen gegen sie ist auch der türkischen Armee nicht fremd. Doch der Eklat von Davos hat eine weit größere Dimension als allein verletzter Stolz. Die Türkei galt bislang als stiller Verbündeter Israels. Noch im Südlibanon- Krieg vor drei Jahren gegen die Hisbollah stand der Nato-Partner auf Seiten Israels, die wirtschaftliche und militärische Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern galt als vielversprechend. Damit wuchs auch der Einfluss der Türkei in der Krisenregion Nahost. So weit, dass Ankara als unabhängiger Vermittler zwischen den verfeindeten Lagern akzeptiert wurde. Auch als Brückenbauer zwischen der islamischen und der westlichen Welt empfiehlt sich die zunehmend selbstbewusste Türkei. Diese Rolle des ehrlichen Maklers und Brückenbauers wird nicht erst mit dem Eklat von Davos fragwürdig. In jüngster Zeit nahm Erdogan immer häufiger Partei für die islamischen Glaubensbrüder, wenn es um die Frage ging, wem das Heilige Land gehöre. Auch während des Gaza-Kriegs verlor er kein Wort über die Raketenangriffe der Hamas auf Israels Zivilbevölkerung. Seine Neutralität gab Erdogan endgültig auf, als er davon sprach, Allah werde Israel für das bestrafen, was den Palästinensern in Gaza angetan wurde. So reagiert kein Freund oder Partner, der sich als Vermittlers andient. So redet eher einer, der einen Kurswechsel vorgenommen hat, einen solchen zumindest vorbereitet. Der stürmische Empfang Erdogans in der Heimat, vermutlich wohl organisiert, stärkt diese Befürchtung. So dürfte der Eklat beim Weltwirtschaftsforum kein Zufall gewesen. Abkehr von Europa, Ende der Kooperation mit Israel, Wechsel ins islamische Lager? Es sind beunruhigende Signale, die Erdogan aussendet. In den Nahen Osten wie nach Europa.

 

 

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