Gazakonflikt - Politik im Nahen Osten

Samstag, 19. Mai 2012

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Allg. Zeitung Mainz: Ein schlechter Ratgeber (Kommentar zu Türkei und Israel)

Freitag, den 30. Januar 2009 um 18:51 Uhr
Mainz (ots) - Politiker haben zwar wie alle anderen Menschen das Recht, zornig und beleidigt zu sein. Doch sie dürfen dabei nie vergessen, dass ihr Verhalten zugleich als Reaktion ihrer Partei, ihrer Regierung und, wenn es sich um Staatsoberhäupter handelt, ihres Landes gewertet wird.

Das hat der türkische Regierungschef Erdogan bei seinem Auftritt auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos vergessen. Der abrupte Abbruch seines Aufenthalts in der Schweiz hat eine Menge Schaden angerichtet und zwar für seine eigenen außenpolitischen Ambitionen. Denn seine lautstarke Auseinandersetzung mit Israels Staatspräsident Peres wegen des jüngsten Krieges um Gaza und der vielen zivilen Opfer kann seine Vermittlerrolle beim Versuch, den Nahostkonflikt auch unter Einbindung des Irans und Syriens zu beenden, erheblich erschweren. Bislang war die Türkei als ehrlicher, weil neutraler Mittler auf allen Seiten hochwillkommen, hinter den Kulissen waren schon eine Menge Dinge bewegt worden. Diese Rolle ist jetzt gefährdet, und zwar keineswegs aus Sicht Israels. Denn Jerusalem weiß seine Interessen im Zweifel beim türkischen Militär bestens aufgehoben. Es sind die Hamasanhänger im eigenen Land und es sind die Scharfmacher in Teheran und in Damaskus, die Erdogans Verhalten nun als Beleg dafür sehen, dass sich die Türkei in das Lager der Kompromisslosen im Nahen Osten begeben hat. Erdogan dürfte das spätestens bei seiner Ankunft in Istanbul begriffen haben, als ihn Tausende für sein Fehlverhalten bejubelten. Jetzt wird es ihm sehr schwer fallen, seinen absolut richtigen Kurs der guten Beziehungen zu beiden Lagern im Nahen Osten weiter unangefochten fortzusetzen. Zorn ist ein schlechter Ratgeber. Selten hat sich diese Weisheit als so zutreffend erwiesen wie jetzt in Davos.

 

 
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