Bürgerprotest als erfolgreiches Druckmittel: Das Phänomen 2011 in Nahost hat auch Israel eingeholt. Die Massendemos werden in dem demokratischen Land zwar unter ganz anderen Vorzeichen als in den Staaten des arabischen Frühlings realisiert. Doch es gibt auch eine große Gemeinsamkeit: Hier wie dort gehen überwiegend junge Menschen auf die Straße, die bessere Lebensbedingungen verlangen.
Der jüngste Terror militanter Palästinenser hat der Welt klar vor Augen geführt, dass der jüdische Staat Israel hoch gefährdet bleibt. Wer glaubte, der Arabische Frühling sei auch eine Chance für die Sicherheit der bislang einzigen Demokratie im Nahen Osten, sieht sich nun eines Besseren belehrt. Die Menschen in Israel haben das klar verstanden.
Verschärfung in Sicht - Die Hoffnung ist einmal mehr dahin. Noch im April stellten die Vereinten Nationen den Palästinensern in Aussicht, im September einen unabhängigen Staat ausrufen zu können. Im Mai folgte dann die unverblümte Forderung von US-Präsident Obama, Israel habe sich auf die Grenzen von vor 1967 zurückzuziehen. Das klang nach Bewegung im festgefahrenen Nahostkonflikt.
Vom arabischen Frühling gelernt - Die bemerkenswerte Wucht des arabischen Frühlings gewinnt an ungeahnter Stelle noch eine ganz andere, neue Qualität. Denn inspiriert durch die Massenaufstände von Tunesien und Ägypten über Libyen und Syrien bis zum Jemen und Bahrain, protestieren nun mehr als eine viertel Million Israelis gegen die Politik ihrer Führung. In diesen Staaten riefen und rufen die wütenden Völker auch nach Demokratie.
Ein Kommentar von Godehard Uhlemann: Hunderttausende Israelis ziehen seit Wochen wütend durch die Straßen von Tel Aviv oder Jerusalem. Sie fordern von den Regierenden keine Freiheitsrechte, wie das die Demonstranten in Tunesien, Ägypten, Libyen oder nun in Syrien tun.
Juden und Araber marschierten Schulter an Schulter für eine bessere Zukunft, gemeinsam mit säkularen Familien und bärtigen Ultra-Orthodoxen, Großeltern und ehedem politikfaulen Enkeln. Das Volk fordert soziale Gerechtigkeit!, skandierten sie, nicht zufällig zum selben Rhythmus wie die Parole des arabischen Frühlings: