Nicht zurückziehen - Ist irgendjemand überrascht? Nein, leider nicht. Es ist wie schon tausend Mal gehört: Israel redet mit den Palästinensern nur unter der Bedingung, dass es keine Bedingungen gibt. Prompt stellen die Palästinenser ihre Bedingung: direkte Gespräche nur gegen eine Garantie des Siedlungsstopps. Also gibt es, man kennt es ja, gar keine Gespräche. Und nun?
Ungeachtet aller Euphorie auf beiden Seiten dürfte dieser Deal den arabisch-israelischen Dauerkonflikt alles andere als entschärft haben. Die Palästinenser sind einem eigenen Staat so wenig nähergekommen wie die Israelis einem Leben in sicheren Grenzen.
Nach dem Handel - Über den Austausch des Soldaten Gilad Schalit gegen mehr als 1000 inhaftierte Palästinenser herrscht Freude auf beiden Seiten. Doch der Jubel lenkt ab von einem Problem, dessen Lösung ungleich schwieriger sein wird. Israel schafft mit dem Bau zusätzlicher Wohnungen in Ostjerusalem Fakten aus Beton und Stahl, die einer Wiederaufnahme direkter Friedensgespräche im Weg stehen.
Wenn der Austausch zwischen der Hamas und Israel nach den jetzt bekannten Modalitäten vollzogen wird, ist das sehr begrüßenswert. Es ist gut für den jungen israelischen Soldaten, der unversehens zum Sandkorn im Räderwerk der großen Politik wurde, und ebenso für die hierzulande nahezu ohne publizistische Präsenz gebliebenen palästinensischen Gefangenen.
Zwischen der Türkei und Israel bahnt sich eine Eiszeit an. Die einst guten Beziehungen beider Länder sind bereits seit 15 Monaten durch den Streit um den israelischen Angriff auf die Gaza-Hilfsflotte belastet.
Ja, die Türkei übertreibt nicht, wenn sie von Israel trotzdem eine offizielle Entschuldigung verlangt. Auch die Forderung nach Entschädigung ist angemessen. Israel jedoch zum Ende der Seeblockade zu zwingen, geht weit über die politische Bedeutung Ankaras hinaus. Wie auch der eitle Rauswurf des israelischen Botschafters.