Nicht zurückziehen - Ist irgendjemand überrascht? Nein, leider nicht. Es ist wie schon tausend Mal gehört: Israel redet mit den Palästinensern nur unter der Bedingung, dass es keine Bedingungen gibt. Prompt stellen die Palästinenser ihre Bedingung: direkte Gespräche nur gegen eine Garantie des Siedlungsstopps. Also gibt es, man kennt es ja, gar keine Gespräche. Und nun?
Nach dem Handel - Über den Austausch des Soldaten Gilad Schalit gegen mehr als 1000 inhaftierte Palästinenser herrscht Freude auf beiden Seiten. Doch der Jubel lenkt ab von einem Problem, dessen Lösung ungleich schwieriger sein wird. Israel schafft mit dem Bau zusätzlicher Wohnungen in Ostjerusalem Fakten aus Beton und Stahl, die einer Wiederaufnahme direkter Friedensgespräche im Weg stehen.
Ungeachtet aller Euphorie auf beiden Seiten dürfte dieser Deal den arabisch-israelischen Dauerkonflikt alles andere als entschärft haben. Die Palästinenser sind einem eigenen Staat so wenig nähergekommen wie die Israelis einem Leben in sicheren Grenzen.
Wenn der Austausch zwischen der Hamas und Israel nach den jetzt bekannten Modalitäten vollzogen wird, ist das sehr begrüßenswert. Es ist gut für den jungen israelischen Soldaten, der unversehens zum Sandkorn im Räderwerk der großen Politik wurde, und ebenso für die hierzulande nahezu ohne publizistische Präsenz gebliebenen palästinensischen Gefangenen.
Bürgerprotest als erfolgreiches Druckmittel: Das Phänomen 2011 in Nahost hat auch Israel eingeholt. Die Massendemos werden in dem demokratischen Land zwar unter ganz anderen Vorzeichen als in den Staaten des arabischen Frühlings realisiert. Doch es gibt auch eine große Gemeinsamkeit: Hier wie dort gehen überwiegend junge Menschen auf die Straße, die bessere Lebensbedingungen verlangen.
Da wollten die Vereinten Nationen mit ihrem Untersuchungsbericht zum Sturm auf die Gaza-Hilfsflotte vor 15 Monaten für Versöhnung sorgen, und haben doch nur noch mehr Zwietracht gesät. Die Verhärtung der Fronten im Streit zwischen Israel und der Türkei kommt jedoch nicht überraschend. Beide Staaten beharren seit dem Vorfall auf dem Mittelmeer kompromisslos auf ihren Positionen.
Ja, die Türkei übertreibt nicht, wenn sie von Israel trotzdem eine offizielle Entschuldigung verlangt. Auch die Forderung nach Entschädigung ist angemessen. Israel jedoch zum Ende der Seeblockade zu zwingen, geht weit über die politische Bedeutung Ankaras hinaus. Wie auch der eitle Rauswurf des israelischen Botschafters.
Zwischen der Türkei und Israel bahnt sich eine Eiszeit an. Die einst guten Beziehungen beider Länder sind bereits seit 15 Monaten durch den Streit um den israelischen Angriff auf die Gaza-Hilfsflotte belastet.
Der jüngste Terror militanter Palästinenser hat der Welt klar vor Augen geführt, dass der jüdische Staat Israel hoch gefährdet bleibt. Wer glaubte, der Arabische Frühling sei auch eine Chance für die Sicherheit der bislang einzigen Demokratie im Nahen Osten, sieht sich nun eines Besseren belehrt. Die Menschen in Israel haben das klar verstanden.
Verschärfung in Sicht - Die Hoffnung ist einmal mehr dahin. Noch im April stellten die Vereinten Nationen den Palästinensern in Aussicht, im September einen unabhängigen Staat ausrufen zu können. Im Mai folgte dann die unverblümte Forderung von US-Präsident Obama, Israel habe sich auf die Grenzen von vor 1967 zurückzuziehen. Das klang nach Bewegung im festgefahrenen Nahostkonflikt.